Bildende Kunst

“Kunst ist für mich das Ausloten von Aspekten der Natur (des Lebens) mit sinnlichen Mitteln. Theorie fällt in den Bereich der Philosophie, die dafür das entsprechende Instrumentarium bereitstellt (siehe Philosophie). Die Kunst muss sich von der Philosophie sagen lassen, am Schein, am sinnlich Erfahrbaren zu arbeiten, aber genau das macht auch ihre Stärke aus. Mit denken allein ist es in ihr nicht getan, man muss auch schauen (hören etc.). Kunst sollte das Unfassliche anschaulich machen, jene Aspekte der Natur, die sich dem ersten Augenblick für gewöhnlich entziehen. Sie setzt der Natur und dem Leben etwas Dingliches entgegen, das im besten Fall eine ähnliche Wirkmacht wie Natur oder das Leben selbst entwickelt.”
Christian Zillner

“Schon der prähistorische Mensch hat sich bildnerisch ausgedrückt. Das alttestamentarische Bilderverbot „Du sollst dir von mir kein Bild machen“ zeigt, wie sehr dieses „Bild Machen“ Selbstermächtigung ist. Ganz persönliche Emanation eines Individuums. Das Bedürfnis zu bilden, zu gestalten begleitet mich seit frühester Kindheit. Zunächst mit dem Bleistift, bald mit Farben. Schon sehr jung dann prägten mich drei intensive Sommer bei meinem Großonkel Oskar Kokoschka an der „Schule des Sehens“. Aus diesem Abbilden des Geschauten entwickelte sich im dialogischen Prozess das Kreieren von Neuem. Das Oszillieren zwischen äußerer und innerer Wahrnehmung, zwischen der Auseinandersetzung mit dem Vorhandenem und der Sehnsucht nach dem nie da Gewesenem hat mich schließlich von der Malerei über die Fotografie zur sozialen Skulptur, zur Kunst im sozialen Feld geführt.”
Helga Köcher

“Bildende Kunst wird, seit an den Akademien die Meisterklassen gefallen sind, nicht mehr so stark differenziert. Im Englischen wird sie nur „Visual Art“ genannt. Ich sage – Bildhauerin, Projektkünstlerin – denn beide Bezeichnungen verweisen auf Bearbeitungen und Prozesse. Ich praktiziere Skulptur als Konzept, Installation, poetische Intervention oder Aktion in einem Raum, der auch ein öffentlicher Raum sein kann. Die Elemente/Materialien müssen jedenfalls stimmen, einen Raum erzeugen und eine Methode verfolgen, die ich „Konzept und Koinzidenz“ nenne. Etwas zu bilden, zu erkennen, zu befragen ist eine Eigenermächtigung und zugleich eine Spielform jener Prozesse, die auf das Publikum überspringen könnten. Das wäre der emanzipatorische Ansatz, dass Bildende Kunst Wirklichkeit bildet, Gesellschaft hinterleuchtet, Kraft bereithält.”
Gertrude Moser-Wagner

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