Der Themen Schwerpunkt für das Jahr 2012 im basement lautet:

“Raum und/oder Ort” (Zeit-spezifisch)

Kontext:

Raum entsteht erst in Verbindung mit „Richtungsvektoren, Geschwindigkeitsgrößen und (der) Variabilität der Zeit“2. Bewegung, Aktivität und „ein Geflecht von beweglichen Elementen“3 sind also die Konstrukteure von Raum. Dieser Anspruch beinhaltet die handlungstheoretische Erkenntnis, dass erst die Tätigkeit, also das Handeln des Menschen Raum erzeugt.

Wer über „Raum“ nachdenkt in der Gegenüberstellung zum Ort, spricht von etwas, das es zu konstruieren, gestalten, nutzen, besetzen gilt. Raum ist vorwiegend ein Gegenstand des Machens, Planens, wobei es oftmals etwas zu “erobern” gilt. Mit der Zukunft im Blick möchte man eingreifen, verändern, umgestalten. Räume öffnen Dimensionen des Planens und weisen in die Zukunft.

De Certeau zufolge ist der Ort „eine Ordnung (...) nach der Elemente in Koexistenzbeziehungen aufgeteilt werden, (...) eine momentane Konstellation von festen Punkten“1 und eine zur Stabilität tendierende Struktur. Jeder Gegenstand beansprucht damit eine eigene Stelle im Raum, einen eigenen räumlichen Bereich. Dies ist in der Filmanalyse von Bedeutung, wenn sich z.B. zwei oder mehrere Objekt überlagern und verdecken.

Orte sind dadurch bestimmt, dass an ihnen bereits gehandelt, bzw. etwas erlebt und erlitten wurde. Hier hat Geschichte immer schon stattgefunden und ihre Zeichen in Form von Spuren, Relikten, Resten, Narben zurückgelassen. Orte haben Namen und Geschichte bzw. Geschichten, sie bergen Vergangenheit. Während Raum vorwiegend zukunftsgerichtet ist, sind Orte vorwiegend vergangenheitsgerichtet und haben eine Geschichte, die an ihnen haftet und weiterhin ablesbar ist.

http://www.filmraum.uni-jena.de/index.php/Raum_und_Ort_bei_Michel_de_Certeau

KONZEPT:

Unter dem Aspekt „Raum und/oder Ort“
wird durch die unterschiedlichsten Ausstellungsprojekte das kollaborative, das co-operative und vernetzende in künstlerischen Arbeitsstrategien adressiert in dem jeweils ein(e) österreichische® Künstler(in) mit einem von ihnen ausgesuchten internationalen Künstler zu dieser Thematik kollaboriert.

Der Schwerpunkt für das Jahr 2012 liegt auf der experimentellen Auslegung von installativen Konzepten, site-spezifischen Ansätzen und der visuellen Analyse des Raumes (oder Ortes) basement.

Diese Raumerfahrung/erkundung kann durch zweierlei Artikulationen erfolgen: durch Objekte die durch ihre Anwesenheit einen Ort begründen oder aber durch Handlungen – performativ oder installativ – in dem Räume durch Aktionen abgesteckt werden.

Orte beschreibt man also als Bild, als statische Anordnung von Objekten; oder aber man beschreibt einen Raum anhand von Richtung(sänderung)en, Vektoren, anhand des Bewegens durch diesen. Natürlich können diese beiden Arten der Erzählung überlappen.

In Raum und/oder Ort werden eben diese Wechselspiele als auch die Schnittpunkte zwischen Raum und Ort analysiert.
Die ausgesuchten Künstlerinnen beschäftigen sich in ihren Arbeiten insbesondere mit dem Raum an sich als auch mit den kontextuellen Erscheinungen und Auswirkungen für den Betrachter Der Raum basement als Ort des Erfahrens, Erkundens und des Beurteilens.
Der Aspekt des Ephemeralen spielt eine sehr bedeutende Rolle: die Arbeit besteht in einem kurzen Moment, im Raum, wird erfasst, dann aber entwickelt sich eine andere Phase. Oder aber die Materialien die verwendet werden haben diesen momentären Charakter.

Der Besucher hat die Möglichkeit selbstständig und aktiv das Konzept von Raum und/oder Ort zu analysieren, Teil zu nehmen und eigene Wahrnehmungen zu erstellen.

Künstlerische Positionen zum Thema „Raum und /oder Ort“

Die ukrainische in Wien lebende Künstlerin Nika Kupyrova kreiert Objekte, aus Fundstücken und Ready mades, die in ihren Händen zu einer installativen Darstellung, zu Szenen und Geschichten im Raum werden, die dem Betrachter erlauben Fantasie und Wirklichkeit zu vermischen und neu zu gestalten.

“Jedes Objekt erlebt seine eigene Geschichte – wie Menschen, welche das Erfahrene jederzeit selbst erzählen können. Für ausgewählte Gegenstände übernimmt dies die Künstlerin Nika Kupyrova und schafft durch Veränderungen, Erweiterungen und Kombinationen von Alltagsgegenständen berührende Rauminstallationen. Die Arbeiten umgibt eine Leichtigkeit fast wie in einem Schwebezustand. Meist handelt es sich um vertraute Objekte aus der eigenen Geschichte bzw. der jeweiligen Stadt, in der die Künstlerin sich gerade aufhält, die in spielerischer Kombination mit „Unnötigem“ oder Alltäglichem einen erfundenen sphärischen Lebensraum kreiieren. Nika Kupyrova zeigt in ihrer Arbeit die Wandlungsfähigkeit von Dingen, die durch Irritationen in beseelte Werke transformiert werden bzw. verleiht ihnen beispielsweise durch das Beifügen von mit Öl gefüllten und von der Decke hängenden kleinen Plastiksäckchen Sinnlichkeit.”
Alexandra Grausam (Kunstverein Das Weisse Haus) 
Earwax Sotheby’s Wien 2010

Das Künstlerduo Frances Stacey und Tom Nolan (www.tomnolan.info, www.francesstacey.info ) aus Schottland wird in Kollaboration mit Nika Kupyrova den Raum basement als Ort visuell analysieren und erfassen. (www.nikkupyrova.com) Im Materialansatz ähnlich, spielen die Arbeiten von Kupyrova mit dem Raum, während der konzeptuelle Ansatz im Künstlerduo Nolan/Stacey vorrangig ist.

Die Künstlerinnen Letizia Werth aus Wien und Renate Höning aus Regensburg arbeiten mit Materialien die einen ephemeralen Charakter zeigen, zum einen die Zeichnungen mit Staub von Letizia Werth und Wachs und hauchdünner Draht von Renate Höning. Beide arbeiten raum-spezifisch und werden für ihre gemeinsame Ausstellung den Raum analysieren und dann “belegen”. Werth verwendet Staub für ihre temporären Staubzeichnungen als Zeichenmaterial und fixiert ihn mit Klebeband auf die Wand. In basement wird auch der Boden mit einbezogen, wo Schönheit, Vergänglichkeit und auch Erinnerung addressiert werden. Höning arbeitet in traditionellen Textilmethoden, jedoch sind Materialien technisch und das Endprodukt entsteht,entwickelt sich und präsentiert sich oftmals als Hauch eines Objektes.

Nora Bachel (A) und die mazedonische in Köln lebende Künstlerin Irena Paskali arbeiten beide mit der Form des Kreises, aber nicht ausschließlich. Bachels Interesse legit in den geometrischen Grundformen: Kreis, Quadrat und Dreieck. Die Verwendung abstracter Formen als Symbole steht im Vordergrund. Oftmals site-spezifisch bezogen auf den Raum, die Umgebung, die Rückbesinnung auf mögliche Ansatzpunkte, Architektur, Referenzpunkte und ideologische Bezüge, erlauben die inhaltliche Entwicklung von raumspezifischen Arbeiten, die wiederum durch Material wie Salz, Baumwolle, Glas den symbolischen Charakter verifizieren.

Irena Pskali verwendet das Medium Video, Fotografie und Performance in ihren Arbeiten. In “Stairway” ist das Kreismotiv in unterschiedlichsten Fotografien vertreten:

“Irena Paskali zielt darauf ab, den Mensch und seine Umgebung in seiner wechselseitigen Verbundenheit abzubilden. Die Wahl des Kreismotivs evoziert nach Aussage der Künstlerin selbst eine These des Pythagoras, derzufolge der Kreis als Idealform zu begreifen sei. Eingeschlossen in ein Quadrat steht er für die Verschränkung des Kontingenten, des Zufälligen und Alltäglichen mit der Vorstellung des Idealen, der Unendlichkeit. Das Alltagsleben ist durch permanente Wiederholungen und Beschränkungen gekennzeichnet. Indem der Kreis dem Quadrat eingeschrieben wird, visualisiert die Künstlerin die Möglichkeit einer symbolischen Verknüpfung dieser beiden Wirklichkeitsebenen.”
Kompletter Text: InSightOut (OutSighIin)
Dr. Christoph Kivelitz, Kurator

Das Zusammentreffen sehr unterschiedlicher Techniken als raum-spezifische Installation verspricht spannende Ergebnisse.

Zur vierten Ausstellung im Dezember 2012 wurden KünstlerInnen eingeladen die bereits im basement ausgestellt haben, und zusätzlich der Künstler Patrick Baumüller, der mit seinen Installationen sehr raumspezifisch arbeitet und dazu das Ready-Made vielseitig verwendet.
Ulrike Königshofer hat schon mit Bernhard Hosa in 2009 eine exellente Ausstellung gezeigt, ihre Arbeiten befassen sich mit Raum/Ort und Zeit, sind raum –und zeitspezifisch.

Iris Julians Performances und Videos, insbesondere ihre Bild im Bild effect Perfomances, unterstreichen szenische Aspekte des Theaters/Films und Performance umgesetzt ins Urbane.

Gerlinde Thumas (www.gerlindethuma.at) Arbeiten definieren Raum und Zeit sowie die Unterschiedlichkeit ihrer Wahrnehmung. Ihre Arbeiten stricken sich von Malerei, Objekten, Grafik bis hin zu Installation.
Petra Buchegger beschäftigt sich mit feministischen Theorien und präsentiert die “Kittelschürze” in variierender Form und Konzept.
Claudia-Maria Luenig beschäftigt sich in ihren im Raum verspannten HÜLLEN, die von Hand aus Silikonfaden, Kabel, Kupferfdraht und Gummiband gehäkelt werden, als auch mit gestickten Zeichnungen mit dem abwesenden Körper.