GEHEN IN … BELGRAD

AKTUELL:

Ausstellung GEHEN IN…. BELGRAD (Walking through… Beograd)

Eröffnung Dienstag, 23.10.2012, 19 h

na_daLokal, Reindorfgasse 8, 1150 Wien

Arbeiten von
Carla Bobadilla (CL/A)
Carla Degenhardt (ARG/A)
Romana Hagyo (A)
Maria Hubinger (A)
Smilja Ignjatović (SRB)
Bojan Jovanović (SRB)
Leonie Lehner (A)
Michael Lobgesang (A)
Silke Maier-Gamauf (A)
Edith Plattner (I)
Nevena Popović (SRB)
Milena Putnik (SRB)
Biljana Veselinović (SRB)

Eröffnungsrede: Iver Ohm

Ausstellungsdauer:
23. bis 28. Oktober 2012
Öffnungszeiten:
16:30 bis 19:30 h

Donnerstag, 25.10.2012, 19 h

Depot, 1070 Wien, Breite Gasse 3

Podiumsdiskussion: “Gehen als Praxis in Kunstprojekten”

Carla Bobadilla, Künstlerin, Wien
Iver Ohm, Kunst und Kulturwissenschaftler, Wien
Milena Putnik, Künstlerin, Belgrad
Biljana Tomić, Kuratorin, Belgrad
Moderation: Romana Hagyo, Künstlerin, Wien

KONZEPT:

Das fortlaufende Projekt “GEHEN IN … X” fand im Sommer 2010 seinen Anfang in Bratislava und wurde 2011 in Belgrad fortgesetzt.

In der jeweiligen Stadt wird eine zehntägige Laborsituation geschaffen, in der die Teilnehmenden nicht nur die Stadt sondern ihre eigene Herkunft, Erwartungen und Blickgewohnheiten befragen. Als methodischer Ansatz der jeweils eigenen künstlerischen Forschungsarbeit wird mit Bezug auf die Situationistische Internationale das “Umherschweifen”, das “Dérive”, als konstruktiv spielerisches Verhalten im urbanen Raum angewendet.

Themen und Fragestellungen des Aufenthaltes sind:
• Wie bilden sich in Wandel befindliche Relationen zwischen privaten und öffentlichen Räumen, zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Sphären ab?
“Wie verändern gesellschaftliche und ökonomische Prozesse das Stadtbild und den Lebensraum Stadt?” (Verena Kuni: Gehen und Sehen).
• Wie bedingt städtischer Raum als symbolischer Ordnungsraum das Verhalten von Individuen und Gruppen?
• Wie gestaltet sich die Position von KünstlerInnen in einem Gastland, wie läßt es sich vermeiden, die eigenen Vorurteile und die des Publikums zu bestätigen?

• Welchen Zugang hat man zu einer Stadt, der man zum ersten mal begegnet?
• Wie entsteht der künstlerische Prozess?
• Hat dieser Zugang mit den eigenen Bildern und Vorstellungen zu tun, d.h. richtet man den Blick “auf” die Stadt oder überlässt man es dem Zufall, sich von der Stadt selber “erblicken” zu lassen.

TEILNEHMENDE KÜNSTLER_INNEN:

Carla Bobadilla (Ö/CL)
Carla Degenhardt (Ö/AR)
Romana Hagyo (Ö)
Maria Hubinger (Ö)
Leonie Lehner (Ö)
Michael Lobgesang (Ö)
Silke Maier-Gamauf (Ö)
Edith Plattner (IT, D)
Smilja Ignjatovic (RS)
Bojan Jovanovic (RS)
Nevena Popovic (RS)
Biljana Veselinovic (RS)

Aktivitäten in BELGRAD:

Arbeitsraum: Galerie Magacin

“temporary visiting tour”: Im Sinne des Konzeptes lud die Künstlerin Milena Putnik die Gruppe auf eine Tour durch die Peripherie Belgrads, wo neue Stadtstrukturen abseits von genehmigter Bautätigkeit im Wachsen sind.

Performances im öffentlichen Raum:

Silke Maier-Gamauf: “dedicated”
Maria Hubinger: “shelter”
Romana Hagyo
“Walking through Novi Beograd (Block 70)” und “Gehen, Schauen und Sprechen” zum Thema “Novi Beograd als unvollendetes Konzept der Moderne”

Leonie Lehner, Carla Degenhardt, Michael Lobgesang, Carla Bobadilla, Edith Plattner:
Erforschten jeden Tag die verschiedensten Stadtteile von Belgrad und sammelten Bildmaterial in Form von Videoaufnahmen, Zeichnungen, gefundene und zum Teil auch gekaufte Objekte als Ausgangspunkt für ihre künstlerische Arbeit.

Atelierbesuch: bei Biljana Veselinovic
“Work in Progress”

Zur Ausstellung 28.Mai bis 5.Juni 2012 in Belgrad

Arbeiten der KünstlerInnen:

Carla Bobadilla
Gelb in der Stadt (Titel in Arbeit)
Fotografie, Video. Installation

Die Farbe Gelb wird in Städten wie Belgrad als Zeichen für Abgrenzung im öffentlichen Raum benützt. Diese Markierungen werden nicht nur durch die Stadtverwaltung benützt, sondern auch von privaten Leuten als Zeichen für “Macht, Gefahr, besondere Abgrenzungen, etc.” vereinnahmt.

Basierend auf den Fotos, die ich während meines Belgrader Aufenthaltes gemacht habe, werde ich ein bildhauerisches Konzept erarbeiten, das von der dokumentarischen Fotografie in die Bildhauerei hinüberleitet.

Carla Degenhardt
Dinar
Fotografische Serie, A3 Format. Belgrad 2011

“Geld als Indikator und Gleitmittel wirtschafts-und gesellschaftspolitischer Hierarchisierungen, als numerus clausus der Konsumgesellschaft, strukturiert in kunstvoll ornamentierten Scheinen – die Gesellschaft als Ornament von Machtverhältnissen. Neben der kunstvollen Verzierung garantieren die porträtierenden Geistesgrößen identitätsstiftenden Nationalstolz. Im Geld repräsentieren und reproduzieren sich Staat und Gesellschaft auf mehrfache Weise, denn die an das Geld geknüpften Hierarchien legitimieren sich auch über die nationale Kultur – und Geistesgeschichte.”(1)

Da ich mich schon mit der Bestickung von Banknoten in meiner vorigen Arbeit beschäftigt hatte, entschloss ich mich für das Projekt “Gehen in… Belgrad”, die serbische Währung, den Dinar, als Vorlage meiner Arbeit zu nehmen.

Auslöser der Arbeit war das Finden eines dicken Dinargeldstoßes aus der Inflationszeit am Flohmarkt.

Die Faszination für die Geldscheine als Wertträger, aber noch mehr als das meist berührte und begehrte Objekt, führt mich dazu, verschiedene Dinar-Scheine, zusammengefaltet, eingerollt, mit meinem Blick auf Belgrad, mit seinem Alltag, mit seiner Geschichte zu interpolieren.

Das Geld, als kollektiver Hauptdarsteller in den Fotos, scheint mit uns zu sprechen, scheint uns anzuschauen, scheint mit dem Hintergrund zu verfließen.

(1) Rainer Fuchs aus “Macht und Ohnmacht”, Katalog “Pursesonal” von Carla Degenhardt

Romana Hagyo
WALKING THROUGH NOVI BEOGRAD – BLOCK 70
Serie: c- prints, 60×40cm

“An urban neighbourhood is determined not only by geographical and economic factors, but also by the image that its inhabitants and those of other neighbourhoods have of it.” 1

People are invited to do a walk trough a part of Novi Beograd
(Block 70) together with me. Michel de Certeau said that walking steps create the urban space and that through the individual usage of the space by walking the space gets a volatile existence. 2

During the walk we talk about what we see. About the history of places and about the changes in the environment within the last ten years. The themes of the talks are based on Ljiljana Blagojevi essay “New Belgrade: The Capital of No-City’s-Land” 3

1 Chombart de Lauwe (1952), Paris et l’agglomeration parisienne, Bibliotheque de Sociologie Contemporaine
2 “Schritte gestalten den Raum und verleihen ihm durch individuelle Nutzung eine flüchtige Existenz” (De Certeau 1988: 188f)
3 Ljiljana Blagojevi:New Belgrade: The Capital of No-City’s-Land. http://artefact.mi2.hr/_a04/lang_en/theory_blagojevic_en.htm [Stand: 2011]

Maria Hubinger
Shelter
Performance, Park prijateljstva, Novi Beograd. 2011

Shelter ist der Versuch einer temporären Beheimatung auf der Suche nach Orten des Zuhauseseins. Die verwendeten Textilien entstammen Belgrader Flohmärkten und fungieren als Geschichtsträger aus dem Alltag der Menschen zum Thema Heimat und zur Frage nach individuellen Beheimatungsstrategien.

Mit dem Bau eines flexiblen und zugleich fragilen Raumes erfahren die Kleidungsstücke eine Erweiterung von der Schutzhülle des Körpers zum schützenden Raum.

Die Performance verweist auf die Praxis, mittels textiler Elemente Wohnräume zu erschaffen und zu gestalten, und thematisiert das Schicksal der Heimatlosen. Die Behausung als Sinnbild der Verortung, des Zuhauseseins und des Zuhauseseinwollens. Ein Ort des Realen ebenso wie der Imagination, in dem die Innenwelt gleichsam nach außen gestülpt wird und einen vertrauten Schutzraum verkörpern kann.

Leonie Lehner
Nicht-Orte
Photographien, Belgrad. 2011

Die Fotoserien handeln von Nicht-Orten, anderen Räumen, Zwischenorten, die sich während des Gehens in Belgrad erschlossen. Orte, die von An- und Abwesenheit gleichzeitig erzählen, die von An- und Abwesenheit von Körpern geprägt sind. Die nicht von durchgehender Nutzung, Aufmerksamkeit oder Präsenz bestimmt werden. Räume, die vorübergehend von unterschiedlichen Körpern besetzt werden, durch sie entstehen oder ihre Eindeutigkeit verlieren.

Michael Lobgesang
Video

Am Anfang stand ein Zauberstab für Kinder und der kam mit im Gepäck auf den magischen Balkan. Weiter gings im brennend heissen Belgrad, einer Stadt spannend und voller Energie auf die Suche nach signifikanten Plätzen, Situationen, Informationen.

In Auseinandersetzung mit diesem vor Ort gesammelten und noch weiter zu kompilierendem Material entsteht mein Film.

Silke Maier-Gamauf
dedicated_Ušce-Tower
Performance im öffentlichen Raum, Photographie, 2011

dedicated
dedicate widmen;(ein-)weihen; Dedication Widmung f; Zuneigung f; Hingabe f; Dedicator Widmende

2011 Performance im öffentlichen Raum (Video, Fotographie)

Eine Haltung einnehmen.
Eine Haltung der Demut, des Respekts den in Belgrad lebenden Menschen in deren Vergangenheit und Gegenwart entgegenbringen. Durch die spezifisch geografische Lage der Stadt war dieser Ort über Jahrhunderte hinweg umkämpft und geprägt von Kriegen und Fremdbestimmtheit.

3 Orte wurden gewählt, die stellvertretend für Ökonomie, Gesellschaft und Kultur wahrgenommen werden können und in den 1990er Jahren teils von der Nato bombardiert wurden:
– Wärmekraftwerk – Toplana
– Uše-Tower (in Jugoslawien – Sitz des Zentralkomitees der kommunistischen
Partei; unter Miloševis – Radio- und Fernsehsenderstation; heute – Eigentum
eines internationalen Konsortiums)
– Museum für Zeitgenössische Kunst (seit 2007 geschlossen)

Haltung = Bewegungsablauf
Gehen, Stehen, Knien, Liegen – Füße, Becken, Stirn berühren den Boden.
Körperlänge um Körperlänge einer anderen Wirklichkeit Belgrads begegnen.

Edith Plattner
Videoinstallation
12 Videos in paralleler Projektion

Biljana Veselinovic
Truth It Is
Photografie, Malerei im öffentlichen Raum

Reality can be changed through photography. However, there is an often discussed and important question of what is real in art and life as well. Moreover, if an artist creates an image and further comprehends in what way to present it, moves is out of its usual order, it cannot be called is reality any more. Of course, if a photographer just shows what has previously existed and does not disturb the order of the objects, in that way he does not interfere with reality. Changing reality or partially hiding it, we bring spectators to wonderful unexpected and new state. It is amazing how a camera can create images that are not possible to exist, or to be seen in everyday life, but only possible to be imagined or to exist in an unreal space.

Nevena Popovic
Video performance

First part: long walk through different interior spaces in Belgrade. Second part: making rope of hair in basement of never finished building of Museum of Revolution of People in SFRJ.

Smilja Ignjatovic & Bojan Jovanovic
Captured Rain
Site-specific installation, plastic bag, air, water, variable dimensions, 2011

Schlusspräsentation

Diskussion mit der Kuratorin Biljana Tomic



Fotos Carla Bobadilla

Performance Maria Hubinger



Fotos Silke Maier-Gamauf

Arbeiten von Romana Hagyo:



und von Maria Hubinger: