Gehen in.. Belgrad (2011–2012)

„Gehen in… Belgrad“ rekurriert auf das Kunstprojekt „Gehen in… Bratislava“, das im Sommer 2010 stattgefunden hat.

Im ersten Teil des Projektes „Gehen in… Belgrad“ wurde eine zehntägige Laborsituation in der Stadt geschaffen, im Rahmen derer Künstler_innen aus Österreich, Deutschland, Argentinien und Serbien zusammentreffen. Als methodischer Ansatz der jeweils eigenen künstlerischen Forschungsarbeit wurde mit Bezug auf die Situationistische Internationale das „Umherschweifen“, das „Dérive“, als „konstruktiv spielerisches Verhalten im urbanen Raum“ angewendet. „Es wird dabei eine flexible Routenführung gewählt, der Stadtraum wird durchstreift, wobei die Entscheidungen für die Wegführung von individuellen Anziehungen und Abstoßungen des Raums abhängig sind. Diese Entscheidungen sind verantwortlich dafür, was wahrgenommen und gesehen wird, welcher Stadtraum durchwandert wird.“ (Philipp Rode: Nachdenken über Landschaften im urbanen Kontext. In: Dérive 40/41, S. 127)
Die Teilnehmenden befragten nicht nur die Stadt sondern ihre eigene Herkunft, Erwartungen und Blickgewohnheiten. In der Situation des Labors stand die künstlerische Arbeit und die Herangehensweise zur Diskussion. Das Labor bot Raum für unterschiedliche Positionen.

Analysierende Fragestellungen an die eigene Arbeitsweise und den Stadtraum waren:
– „Wie bilden sich in Wandel befindliche Relationen zwischen „privaten“ und „öffentlichen“ Räumen, zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Sphären ab?
– Wie verändern gesellschaftliche und ökonomische Prozesse das Stadtbild und den Lebensraum Stadt?“ (Verena Kuni: Gehen und Sehen. www.kuni.org/v/vk/archiv/344)
– Wie bedingt städtischer Raum als symbolischer Ordungsraum das Verhalten von Individuen und Gruppen?

AUSSTELLUNG UND PODIUMSDISKUSSION
In der zweiten Projektphase, mit zeitlichem Abstand, wurden die entstandenen Arbeiten in Form einer Ausstellung in Belgrad (Galerie Magacin 28.5. – 5.6.2012) und Wien (nadaLokal 23.10. – 31.10.2012) der Öffentlichkeit präsentiert und bei einer Podiumsdiskussion am 25.10. im Depot, Wien, reflektiert.

TEILNEHMENDE KÜNSTLER_INNEN
Carla Bobadilla, Carla Degenhardt, Romana Hagyo, Maria Hubinger, Smilja Jgnatovic, Bojan Jovanovic, Leonie Lehner, Michael Lobgesang, Silke Maier-Gamauf, Edith Plattner, Nevana Popovic, Milena Putnik, Biljana Veselinovic

Gehen in.. Bratislava 2010

nomad field 2009

Sie wechseln den Wohnort des Arbeitsplatzes wegen – brechen die Zelte ab und stellen sie anderswo auf – bearbeiten immer wieder neue Felder. Diese „modernen“, nomadischen Lebensweisen nehmen weltweit zu.
Die Erscheinungsform ist vielfältig – von GastarbeiterInnen die aus ökonomischen Gründen über Jahre oder Jahrzehnte hinweg den Wohnort wechseln bis zu den neuen Selbstständigen, die höchst flexibel ihre Lebensform dem Arbeitsplatz anpassen.
Das Projekt nomad field basiert auf Interviews und Berichten über eben diese modernen Nomaden.
Im antiken Griechenland war der „Nomade“ ein Mensch auf der Suche nach ihm zugewiesenen Grenzen, nach einem Gebiet, worin er im Recht ist (siehe V. Flusser 1994). Diese Ansicht kennen wir, sie ist jene von Sesshaften, also von Leuten, die sich selbst im Recht und die anderen, die Wanderer, im Unrecht sehen. Wie aktuell und präsent diese Sichtweise ist, zeigen die derzeitigen Diskussionen über Asylsuchende und Arbeitsmigranten.

In nomad field werden Menschen interviewt, welche häufig den Arbeitsplatz gewechselt haben oder deren Wohnort an Bodenhaftung verlor. In weiterer Folge beziehen sich die Fragestellungen auch auf Dauer der Tätigkeiten, soziales Umfeld, Selbstbild bzw. Identität und Alltagsrituale.

Die Gespräche werden in Form von Tonfrequenzkurven auf Zeltböden übertragen – so werden die Zelte zum Bildträger und von der Decke hängend im Ausstellungsraum präsentiert – Flexibilität ist gefragt.
Die Zeltplanen bestehen aus hauchdünner Kunstseide – denn diese Lebensform vermag Privates und Intimes kaum zu verbergen und greift ein –„when I move across the country a lot of times that completely changes my relationship with people“ Interview mit M.Gillespie.
Zum Soundteppich verwoben – teils in den Zelten adaptiert – werden Gesprächsmitschnitte aus den Interviews und Geräusche, aufgenommen am Arbeitsplatz, hörbar.

nomad field ist als Sinnbild für eine Lebensform mit großen Möglichkeiten und Gefahren in einer sich wandelnden bewegten Gesellschaft zu sehen.

Can you hear me? Can you see me? (2008)

Besteht aus 2 sich bedingenden Teilen:

Light Curtains von Maria Hubinger und the magic table von Silke Maier-Gamauf, beides wird von einer gemeinsam erarbeiteten Toninstallation begleitet.
Die Ausgangspunkte thematisieren Grenzen der Wahrnehmung, des Raumes und der Kommunikation in Zeiten der beinah uneingeschränkten Nutzung von Internet und Mobiltelefon.
Im World Wide Web entstehen kontinuierlich neue Verbindung – ein Netzwerk von Kontakten und Informationen steht allen Menschen offen, die Zugang zu einem Internet point haben. Gleichzeitig ist es für alle möglich, für die gesamte Menschheit in gewisser Weise sichtbar zu werden. Verbindungen, die den Menschen in seiner Körperlichkeit (Berührungen, Blickkontakte, Ausstrahlung, ..) beinah zur Gänze aussparen.
In Can you hear me? Can you see me? werden Räume erzeugt, die nach den Grenzen von Kommunikation fragen und Verbindungen über Raumgrenzen hinweg schaffen.

Light Curtains – die mit leuchtenden Farbmustern bedruckten, von der Decke hängenden Stoffbahnen erzeugen durch die offene lockere Hängung und die Transparenz der Stoffe einen bzw. mehrere vielschichtige Innenräume im Umraum. Diese durch Stoffbahnen erzeugten Raumsituationen sind mobil und passen sich an örtliche Gegebenheiten in Größe und formaler Ausdehnung an. Die unterschiedlichen Lichtsituationen beleben den Raum und bestimmen das Sichtbare.
Ein Tisch – the magic table – als Sammelpunkt für Gespräche ist mobil, ist ferngesteuert und verlässt den Raum bei Bedarf auf der Suche nach Kontakten – ein „drive in“ der anderen Art.
So einladend der Tisch im Ruhezustand auch ist – er ist unberechenbar und laut in Bewegung. In Aktion kann er niemanden „an einen Tisch bringen“ zu einem Gespräch oder gar zu Verhandlungen einladen.
Der Tisch in Fahrt dokumentiert die zurückgelegten Wege, macht Verbindungen sichtbar. Die Steuerung kann dabei von BesucherInnen übernommen werden.

The magic table wird erweitert durch Sitzkissen touch and talk auf denen sprachliche Bruchstücke sichtbar und „besitzbar“ werden. Tonfrequenzkurven von Sprachaufnahmen werden via Computer auf die Kissen übertragen. Je nach Raumgröße finden sich diese Sitzkissen an den Wänden platziert wieder und agieren wie kodierte Sprechblasen.

Die Toninstallation – Can you hear me? Can you see me? – gibt Bruchstücke von Gesprächen wieder und befaßt sich mit der Wahrnehmung von Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation („Du sprichst mit mir, aber du schaust mich nicht an“).

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