Kunst im Öffentlichen Raum

“Die einfachste Weise einer Definition von Kunst im öffentlichen Raum ist wohl eine Abgrenzung oder Abhebung von der Ausstellungskunst. Der wesentliche Unterschied ist, dass man im öffentlichen Raum sozial vorbestimmte, gesellschaftlich konditionierte Kontexte vorfindet, während im Ausstellungsbereich, innerhalb des „white cubes“, ästhetische Vereinzelung das Ideal für das Kunstwerk bzw. dessen Wahrnehmung darstellt. Im Museum, der Kunsthalle oder der Galerie soll höchstens eine Korrespondenz zu anderen ausgestellten Werken hergestellt werden – das Repräsentations- und Rezeptionsideal aber ist dort das einer ästhetischen Isolierung. Im öffentlichen Raum dagegen, sowohl in den Straßen und Plätzen der Stadt wie auf dem flachen Land, wird das Kunstwerk automatisch in die Nachbarschaft von irgendwelchen Dingen des Alltags, von Architektur, Verkehr usw., gebracht. Wobei zu betonen ist, dass in der Regel diese ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen im Verhältnis zum Kunstwerk ästhetisch eindeutig dominieren.”

“Ich glaube, dass sich für das Kunstwerk im öffentlichen Raum durch das Eingebettetsein in ein vielgestaltiges, komplexes Umfeld, durch die Nachbarschaft zu all diesen unterschiedlichen Objekten, eine Tendenz zur Profanisierung einstellt. Das Kunstwerk ist dort Ding unter anderen Dingen. Deshalb ist auch evident, dass in der Stadt ein Werk nicht „ausgestellt“ wird: von „Exponaten“ kann da eigentlich nur bedingt die Rede sein. Umgekehrt bringt dieses automatisch bestehende eminente Verhältnis zum Umfeld für die Kunst auch eine Erweiterung der Verweis- und Bedeutungsmöglichkeiten. Für den Künstler jedenfalls sind die Bezüge auf diese diversen Rahmenbedingungen interessant und machen das Arbeiten „im Freien“ besonders attraktiv. Wobei ich andererseits nicht der Meinung bin, dass ein dezidierter Kontextbezug die absolut notwendige Grundbedingung für Kunst im öffentlichen Raum darstellen würde. Es gibt genügend gelungene Beispiele in der zeitgenössischen Kunst wie auch der jüngeren Kunstgeschichte, wo gerade eine gewisse ästhetische Abkapselung vom Umfeld entscheidend ist. Bei meinen Arbeiten für den öffentlichen Raum spielen Kontextkategorien allerdings häufig eine wesentliche Rolle.”
Martin Strauss

“Kunst im öffentlichen Raum wurde von Werner Fenz, Graz, einmal „Kunst im öffentlichen Interesse“ genannt. Spontan gefiel mir das gut, ich imaginierte den Protest Einzelner, doch im zweiten Anlauf dachte ich – NEIN. Ist doch Kunst im urbanen und im sozialen Raum, ohne Schutzdach durch Museen und Galerien, ohnehin manipulationsgefährdet, mehr als jede andere Kunst. Sie zielt ins Ungewisse, denn ein Publikum muss sie sich erst finden und kein Käufer kauft sie, üblicherweise. Was tut sie also dort? Sie stört. ”
Gertrude Moser-Wagner

“kunst aus ihrem kontextuellen raum gehoben – muß den bezug zum betrachter erst suchen – im kunstraum stehend bezieht sich die kunst auf ihre geschichte, im öffentlichen raum steht sie alleine – die einfachste variante ist das ärgernis zu suchen – so wird wenigstens der vorwurf nur ästhetisches beiwerk zu sein umgangen & bemerkt wird es auch. meine idee ist in kommunikation zu treten – eine möglichkeit zu entfalten & einen prozeß durchmachen, durchaus temporär.”
“sich als künstler den öffentlichen raum zu nehmen bedeutet für mich auch ihn bewußt zu teilen mit den andern, ja, menschen zu ermutigen sich auch den raum zu nehmen.”
Cynthia Schwertsik

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