Mehr zum Projekt

Ein Perpetuum mobile (lat. ‚sich ständig Bewegendes’) ist ein hypothetischer Apparat, der ohne Energiezufuhr ewig in Bewegung bleibt und dabei auch noch Arbeit verrichten kann. Seit Jahrhunderten suchen Hobbyforscher, Garagenbastler, Esoteriker bis hin zu renommierten Gelehrten und Naturwissenschaftlern danach. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde zwar durch die Formulierung des Energieerhaltungssatzes jegliche Realisierbarkeit eines Perpetuum mobiles theoretisch verneint, dennoch gibt es immer noch viele Menschen, die dieses Ziel erreichen wollen.

Warum dieses Streben nach dem Unmöglichen, anstatt sich dem Machbaren und Nützlichen zu wenden? Vielleicht, weil ein Perpetuum mobile wohl die größte Entdeckung der Wissenschaftsgeschichte darstellen würde, die alle Energieprobleme der Menschheit beseitigen und dem Erfinder – gegebenenfalls dem kleinen, verkannten Garagenbastler! – unendlich viel Ruhm und Reichtum verleihen würde.

Auf einer tieferen Ebene fällt dieses Streben möglicherweise mit der menschlichen Suche nach Schönheit, Perfektion, Unendlichkeit und somit letzten Endes nach dem Göttlichen – dem aristotelischen unbewegten Beweger – zusammen. Oder es ist bloß Ausdruck einer gewissen Nicht-Anpassungsfähigkeit bzw. Rebellion gegen unsere hoch-technologisierte und „ver(natur)wissenschaftliche“ Welt und somit ein pathetisches Verlangen nach pseudowissenschaftlicher Anarchie.

Wenn das Perpetuum mobile als eine Art Reductio ad absurdum des Energieerhaltungssatzes aufgefasst wird, kann es gleichzeitig aber auch als ein extremes Beispiel für menschliches Streben nach einer unversiegbaren sowie „sauberen“ Energiequelle angesehen werden. Diese visionäre Kraft ist möglicherweise dieselbe, die die Menschheit dazu bringt erneuerbare Energiequellen immer effizienter und stärker in Anspruch zu nehmen.

Mit diesen und anderen Fragen lud der Kurator der Ausstellung acht KünstlerInnen ein, sich dem Thema des Perpetuum mobile zu widmen und möglichst neue Arbeiten für diese Ausstellung zu schaffen.

Mit ihrer Arbeit „HIC ET NUNC“, die Flavia Bigi (www.flaviabigi.com) dem italienischen Physiker Ettore Maiorana widmet, deutet die Künstlerin an, dass das fortwährende Nachdenken der Menschheit, die unermüdliche Suche nach dem Neuem in der Grauzone zwischen Möglichem und Unmöglichem, das Durchbrechen alter Grenzen des Wissens und somit auch die Suche nach dem Perpetuum mobile, an sich ein Perpetuum mobile darstellt.

Pablo Chiereghin (www.pablochiereghin.com) spielt in seiner Arbeit “Exchangeable Object“ auf die Beziehung zwischen Mensch und Objekt im Rahmen des Warenverkehrs an. Der Tausch von Waren steht als Gegensatz zur Energievergeudung, die durch Neuproduktion und Entsorgung entsteht. Die Objekte an sich stehen in Beziehung zum Ausstellungsraum und erhalten somit den temporären Charakter eines readymade.

Für die Ausstellung entwirft Fanni Futterknecht (www.fannifutterknecht.com) ein Objekt, welches sich dem Thema erneuerbarer Energien durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien und Stofflichkeiten annähert. Das Perpetuum mobile ist nicht als bewegendes Objekt inszeniert, vielmehr wird, angelehnt an diese Idee, eine Assoziation ständiger Bewegung erschaffen.

Gianmaria Gava (www.gianmariagava.com) realisiert ein Projekt mit SchülerInnen der Klasse 2b der AHS Franklinstrasse 26 in Zusammenarbeit mit Anke Armandi (www.ankearmandi.com) und der Klassen 1f & 1g der GRG21 OE in Zusammenarbeit mit Agnes Peschta. Wie die Suche nach dem Stein der Weisen repräsentiert für Gianmaria Gava auch das Perpetuum mobile eine unbezwingbare und gleichzeitig unwiderstehliche Herausforderung, die nur mit kindlicher Kreativität und Fantasie angenommen werden soll. Die SchülerInnen sind aufgefordert, sich mit der oben beschriebenen Thematik auseinanderzusetzen und Skizzen zu erstellen.

Franz Hautzinger (www.franzhautzinger.com) wird mit seiner einzigartigen musikalischen Sprache, die auf dem Gebrauch von Luftgeräuschen, Mikrotönen und einem höchst sensiblen Umgang mit der musikalischen Form basiert, auf die Ausstellung und das Thema eingehen.

Mit der Arbeit „DV / TV – the Divine Vision / Tele Version“ von Aiko Kazuko Kurosaki (www.aikaku.net) wird das “Göttliche” live dargestellt, aufgenommen, digital teleportiert und perpetuiert – es entsteht ein multiples Bild im Bild. Eine suggestive Installation mit mehr-bödiger Assoziationsschleife.

In ihrer medienreflexiven Arbeit „On the Impossibility of Perpetual Motion“ untersucht Sissa Micheli (www.sissamicheli.net) eine scheinbar als Perpetuum mobile funktionierende Konstruktion des britischen Wissenschaftlers David Jones, welches im Technischen Museum Wien zu sehen ist. Filmisch hält sie Details und vor allem das Rad fest, das sich angeblich ewig dreht. Die kontinuierliche Bewegung transponiert sie auf einen lunettenförmigen Reflektor, welcher als Hilfsmittel im Film verwendet wird. Dazu stellt eine Stimme aus dem off philosophische Gedankengänge an.

In Anlehnung an museale Dioramen, erzeugt Linus Riepler (www.linusriepler.eu) mit „world in a jar“ eine Erzählung mittels szenischer Darstellungen. Der Protagonist dieser Geschichte versucht in seinem Arbeitszimmer das Sonnensystem zu kopieren.

Hana Usui (www.hana-usui.net) assoziiert frei das Perpetuum Mobil mit dem Möbiusband, jener faszinierenden Fläche, die nur eine Kante sowie eine Seite hat und nicht orientierbar ist, da man nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden kann.

Mit herzlichen Dank an die SchülerInnen der Klassen 1f & 1g der GRG21 OE und der Klasse 2b der AHS Franklinstrasse 26 sowie an die zugehörigen Schulen. Weiter auch an Helga & Peter Krobath, Thomas J. Jelinek, Peter Koger, Prilfish Veranstaltungstechnik und das Technische Museum Wien.

Die Ausstellung ist Teil von „GARAGEN” – Special Projekt von Marcello Farabegoli, Ken Mapayo & Dominik Nostitz für die VIENNA ART WEEK 2015.
Im Allgemeinen widmet sich das Projekt der Garage als mögliche Geburts-, Wirkungs- und Probestätte für Erfindungen und Aktionen, die unseren Alltag oder gar die Welt verändern können. Man denke etwa an den „Garage Rock“ oder jene Garage in Palo Alto, die als Geburtsort des Silicon Valley gilt. Die Kuratoren und Kulturproduzenten Marcello Farabegoli, Ken Mapayo (www.fourworks.net) und Dominik Nostitz (www.verein08.at) werden das Thema in Ausstellungen, Installationen, Interventionen, Performances und Konzerten ausgesuchter Künstler in verschiedenen Garagen Wiens aufgreifen.