Walk a Mile in my Shoes

Ausstellungseröffnung
Dienstag, 18. November 2014, 19 – 23h

Gumpendorfer-U-Bahnbogen, 6 – 7
1060 Wien

Mit Arbeiten von Rosemary Hogarth _ Lina Vargas de la Hoz _ Ulrich Nausner _ Rahel Bruns _ Sophie Dvořák _ Maia Gusberti _ Michaela Kirchknopf _ Silke Maier-Gamauf _ Erika Petric & L. Ukic _ Ellen Semen _ Hannah Winkelbauer

“Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien, einen Tornado in Texas auslösen kann.”

Dieses Phänomen wird als Schmetterlingseffekt bezeichnet und meint gegebenenfalls die erstaunlich große Sensitivität mancher komplexer, nichtlinearen Systeme bezüglich kleiner Abweichungen in ihren Anfangsbedingungen. Schon geringfügig veränderte Details in der ursprünglichen Entstehungshistorie können demzufolge zu einer völlig anderen Entwicklung im langfristigen Verlauf führen.

Diese Theorie aus dem Jahr 1963, die dem Meteorologen Edward N. Lorenz zugeschrieben wird, stellt nicht nur für das von ihm analysierte System der Wettererscheinungen einen spannenden Ansatz dar. Das gilt für verschiedenste Systeme, wie etwa auch für soziologische. So beschriebt etwa der deutsche Spielfilm “Lola rennt” (1998, Regie: Tom Tykwer) unterschiedliche Handlungsalternativen einer Beziehungsgeschichte in Bezug auf kleine zufällige Änderungen in den Anfangsphasen der konfliktträchtigen Verbindung der beiden Protagonisten. Auch reichten etwa eigentlich unscheinbare Details, um gar den Lauf der europäischen Geschichte – ein höchst komplexes System – zu ändern. Als der Chauffeur des österreichischen Thronfolgers Ferdinand in Sarajewo im Jahr 1914 falsch abbog und nur infolge dieses Fahrfehlers in die Schusslinie seines Mörders geriet. Letztendlich gilt die Theorie des Schmetterlingseffekts im Sinne der Chaostheorie für fast alle Regelkreise die ineinandergreifen und so ein größeres Ganzes determinieren.

flat1 wird in seinem Jahresprogramm den Gedanken noch weiter ausdehnen und unterschiedliche Systeme der Ordnung der menschlichen Gesellschaft in den Fokus rücken. Ordnungssysteme sind höchst komplexe Regelkreise, die einander bedingen und beeinflussen und deren Funktionieren als eine der Grundvoraussetzung moderner Gesellschaften gilt. Es gibt sie an ganz unterschiedlichen Stellen. Doch – so zeigt die Erfahrung – diese Ordnungssysteme sind alles andere als stabil. Das Phänomen des Schmetterlingseffekt ist nur eine Erklärung dafür, wie auch scheinbar stabile Ordnungen ins Ungleichgewicht geraten können – und somit das Funktionieren der Gesellschaft. flat1 wird also die künstlerische Frage stellen, wie stabil diese Systeme der Ordnung sind, welche Kriterien sie außer dem Schmetterlingseffekt noch irritieren können, aber auch wie sich innere (dem Menschen innewohnende Systeme) und sogenannte äußere Systeme zueinander verhalten. flat1 stellt die Frage was passiert, wenn unterschiedliche Ordnungssysteme aneinandergeraten, sich die Hierarchien – die es vielleicht ohnehin nicht gibt – vermischen. Oder was passiert, wenn Ordnungssysteme nicht mehr flexibel auf Veränderungen rundherum reagieren und in Starrheit erst recht jene Veränderung provozieren, um deren Verhinderung sie eigentlich geschaffen wurden.

Aktuelle Themenschwerpunkte:

Gesellschaftliche Ordnungssysteme. Es stellt sich die Frage, wie weit sich der Mensch in der Organisation seiner inneren Ordnungssysteme doch auch der Systeme oder Rituale bedient, die die Gesellschaft zur Aufarbeitung elementarer Fragen anbietet. Tut er dies, ist auch eine Adaptierung von vorgefertigten Mustern oder Systemen/Ritualen auf das jeweilige Individuum die Folge. Das heißt weiters, dass auch allgemeingültige Ordnungssysteme, Strategien individuell sehr unterschiedlich wirken. Das irritiert und fragmentiert auch scheinbar homogene Gesellschaften. Gleichzeitig ist die Freiheit im Bezug auf die individuelle Entwicklung/Adaptierung global gesehen nur in einem entwickelten Teil der Welt möglich.

Politisch/mediale Ordnungssysteme. Die globalen Umbrüche zeigen sich aber auch, wie z.B. im Nahen Osten unter Bezugnahme auf eine Veränderung der politischen Systeme. Schon minimale Eingriffe (Demonstrationen) in die dortigen Strukturen können positive Veränderungsansätze hervorrufen, aber Länder auch in politisches Chaos stürzen, d.h. Systeme können sehr empfindlich und sensibel auf Störungen und Resonanzen reagieren und dadurch schnell ins Chaos übergehen. Gerade in einer übermedialisierten Welt können scheinbar geringe Beiläufigkeiten ihrer Proponenten und Stars unkalkulierbare Entwicklungen auslösen.

Künstlergespräch im Rahmen der Ausstellung:
Sonntag, 23. Nov. 2014, 17.00 Uhr

Öffnungszeiten während der VIENNA ART WEEK:
Do. 16.00–19.00 Uhr, Sa., So. 15.00–18.00 Uhr