A political breakpoint

Ausstellungseröffnung
Freitag, 20. März 2015, 19 – 23h

mit Arbeiten von
Veronika Burger_Renate Egger_Judith Grosser_Anne Glassner_Martin Gasser_Stefan Pomjabik_Gabi Mitterer_Siegmund Skalar_Stefan Wanka
curated by Karin M. Pfeifer & Sula Zimmerberger

Jahresthema: Subversion

“Subversion und Kunst waren immer schon eng verbundene Begrifflichkeiten. Insofern, als das weite Feld künstlerischer Betätigungen als eine der wesentlichen Formen subversiver Erscheinungsformen gilt. Musik, Literatur oder darstellende Kunst waren immer auch Biotope, aus denen heraus Autoritäten in Frage gestellt wurden, gesellschaftliche Umbrüche ihren Anfang genommen haben oder irgendeine andere Ordnung umgereiht wurde. Dabei wird der offiziellen Kultur, die für die offiziell erwünschten Werte eintritt, eine eigene Subkultur entgegengesetzt, die gegensätzliche Inhalte propagiert, sei es etwa der Punk in der Popmusik, oder die Dissidenten in der Literatur. So halten diese Formen der bestehenden Wunschvorstellung der sozialen Ordnung ein Gegenmodell vor oder konfrontiert sie mit verdrängten Realitäten der Gesellschaft.”

“Subversion muss nicht immer Handeln beinhalten. Auch Denken an sich kann – wie etwa der Prof. Bernd Streich ausführt – subversiv sein, und zwar immer dann, wenn Veränderungen und Fortschritt in der Gesellschaft sich sehr dynamisch darstellen. Eingefahrene Denkmuster sind bekanntlich das größte Hindernis bei der Gewinnung neuer Ideen und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wenn Denken also Eingefahrenes aus den Gleisen wirft, Gewohnheiten und alte Sitten auflöst, den Glauben untergäbt oder Skepsis erzeugt, dann stellt es die gewohnte Ordnung in Frage und ermöglicht Wandel.”

“Allerdings – und das ist das künstlerisch doppelt spannende – Subversion erfährt in der Jetztzeit eine neue Wendung. Denn Subversion in seiner ursprünglichen Bedeutung des “von unten Umgrabens” ging meistens von einer Art Elite aus, eher kleine, abgegrenzte Gruppierungen, die die gesellschaftlichen Bedingungen verändern wollte. In Zeiten des Internet und der sozialen Netzwerke scheinen subversive Entwicklungen allerdings aus einer undefinierbaren Vielzahl von Beteiligten zu entstehen, eine Menge, die per definitionem weder klein, noch elitär noch abgegrenzt ist. Um noch einmal Streich zu zitieren: “Damit wird das Top-down-Denken der Intellektuellen alten Schlages ergänzt durch bottom-up-synchronisierten Denkens aller”.”

” Beispiele lassen sich genügend finden, wenn etwa in einem Wechselspiel aus skandalisierenden Medien und tatsächlicher Unzufriedenheit das so genannte “Crowdfunding” die herkömmlichen, auf klassische Geschäftsbanken aufbauenden Finanzierungsstrukturen der Unternehmen umwälzt. Oder Streamingdienste wie Netflix oder Spotify den alteingesessenen Plattenfirmen und TV-Sendern Kunden in Scharen abspenstig machen. Da lässt sich durchaus eine subversive Entwicklung diagnostizieren, da sie alte Hierarchien umstürzt, herrschende Ordnungen untergräbt und neue Entwicklungen vorantreibt. Keinesfalls allerdings geht diese neue Art der Subversion von einer kleinen Gruppe elitärer Wissender aus, sondern von einer großen Gemeinschaft und dessen Bedürfnissen, die durch die Online-Technologien eine Aus- ein Eindrucksmöglichkeit erfahren.”

“Insoferne muss der Begriff der Subversion vermutlich neu konnotiert werden. Auch wenn das Entscheidende wohl sein wird, ob die den Umstürzen folgenden Neuordnungen die Gesellschaft weiterentwickeln, oder eher in ihrer Entwicklung behindern. Dennoch lassen sich aus dieser Entwicklung heraus verschiedenste Themen der Subversion festmachen. Wer etwa dem modernen Projekt des Marsfluges mit seinem Nevercomeback ein simples “Was mach ich dort?” entgegenhält ist ebenso subversiv, wie jemand, der die Anleitungen für einen perfekten Bankraub ins Internet stellt.”

“Subversiv sind in diesem Sinne auch jene Filmhelden, die entgegen der allgemeinen Erwartungshaltungen handeln und damit Erfolg haben – stellen auch sie doch damit das normierte Verhaltensmuster der westlichen Wirtschaftsordnung in Frage, sei es etwa Forest Gump, den Regisseur Robert Zemeckis einfach drauf los laufen lässt (um damit den Fitnessboom zu begründen). Oder Woddy Allen, der in seinem Film “To Rome with Love” unter anderem einen Startenor beschreibt, der auch auf der Bühne Dusche, Wasserstrahl und Brausetasse braucht, um gesangliche Höchstleistungen bringen zu können. In Zeiten von Youtube braucht es allerdings keine große Filmproduktion, es können alle zu Helden der Subversion werden, wenn sie der Erwartungshaltung entgegen handeln, je radikaler, je erfolgreicher, je subversiver.”

Aktuelle Themenschwerpunkte:
the politics of dysfunction¬_ development by damage

“Wie weit greift die Politik in die Gesellschaft ein? Die ursprüngliche Intention von totalitären Staaten und Regimen die Medien manipulativ zu nützen um die eigene Bevölkerung in die Richtung zu manipulieren, die von der politischen Seite gewünscht wurde, kommt immer mehr abhanden. Nachdem das worldwideweb eine eigene Dynamik entwickelt hat. Es gilt nicht mehr eine sogenannte intellektuelle Elite zu kontrollieren.”

“Revolutionen werden von einer breiten, aufgeklärten Bevölkerungsschichte getragen. Informationen werden über das Internet und soziale Netzwerke, die von der Politik nicht mehr kontrolliert werden können transportiert. Der arabische Frühling wäre ohne Absprachen über soziale Netzwerke kaum in dieser Form möglich geworden.”
© karin maria pfeifer