Breitband

Eva Reiter, Ludwig Bekic

Breitband – das ist vorderhand die Kombination aussergewöhnlicher, scheinbar schräg zueinander stehender Klangquellen. Hier die Viola da Gamba mit ihrer charakteristischen Darm-Besaitung und dem daraus resultierenden Klangspektrum – erweitert durch spezifische Präparierungen – sowie die Kontrabassblockflöte, jene eigenartige Klangmaschine mit sonorer Tiefe. Dort der Einsatz alter Tonbandmaschinen und analogem elektronischen Equipment, das ausschlaggebend ist für die spezielle Klangästhetik des Duos Breitband.

Die Breitband-Musik ist grundiert von elektronischem Rauschen, metallischen Sounds und Netzteilbrummen als Material der elektronischen Parts. Dazu die Sounds der beiden Instrumente, die häuifg ins Zischen, Wischen oder Schleifen ausweichen. Breitband stellt sich ganz bewusst dem Versuch, das «Duo» als kompakte, symbiotische Einheit in Erscheinung treten zu lassen. Spezifische Klangcharakteristika der einzelnen Instrumente sollten verdeckt und neue Legierungen elektronischer und natürlicher Klänge geschaffen werden. Zuerst wohl ist die Idee einer Laborsituation vorherrschend, in der klagliche Verschmelzungsprozesse generiert werden.

Das zugrunde liegende, interdependente Verhältnis der instrumentalen Charaktere – wobei etwa auch die Copycat und das Mischpult als Instrumente verstanden werden – ist Ausgangspunkt und zugleich Basis der Stücke, die im Verlaufe der Kompositionen mehrfach gelockert wird. Durch klangliche Modulationen, die die Fusion der Klänge auflösen und instrumentale Eigenheiten hervortreten lassen, geraten sie in ein Distanz- und zugleich in ein Spannungsverhältnis, bleiben aber unauflöslich «kontrapunktisch» miteinander verbunden.

Der Kompositionsplan der Stücke ist streng, die Musik klar modelliert, fast unnahbar und scheinbar kühl. Der Klang der zugespielten Elektromotoren und Maschinenklänge – für die mit Tape versehenen Kompositionen sind dies beispielsweise Motorengeräusche von Druck- und Kopiermaschinen, Aufzügen oder Rolltreppen – sowie die Klänge der live verwendeten schleifenden Tonbänder und des Mischpultrauschens erinnern durch ihre vormals rohe Klangästhetik an synthetische Klänge des alltäglichen, urbanen Lebens. Zudem weisen sie in ihrem Verlauf häufig charakteristische asymmetrische Loopeigenschaften auf und haben so bedeutend Auswirkungen auf die Gesamtstruktur der Stücke.

Sowohl in der mikro- sowie in der makroskopischen Betrachtung der Kompositionen bilden diminuierte und augmentierte Loopstrukturen nicht nur materiale, sondern zugleich auch formale Grundlagen. An manchen Stellen scheint eine Form von durchgängigem «beat» auf, aber noch bevor man sich «einhören» und darin verlieren könnte – im Sinne popmusikalischer Idiomatik –, unterbrechen Störgeräusche die gedachte, vielleicht erhoffte Ordnung.

Die Musik von Breitband lotet also den recht schmalen Grad zwischen akustischer und elektronischer Musik aus. Dabei entsteht durch gezielte Präparierungen und Spieltechniken auf den akustischen Instrumenten (Flöte, Viola da Gamba) häufig die Illusion von elektronisch manipulierten Sounds. Auf der anderen Seite werden die alten Tonbandmaschinen sowie die Regler des Mischpults wie ein virtuoses Instrument bedient – das Instrument als Maschine, die Maschine als Instrument. Die «alten» Tonbandmaschinen fungieren gleichsam als Filtersystem, indem die Klänge der Gambe oder der Flöte aufgenommen und in einer Endlosschleife langsam ausgespielt werden. So hat Breitband eine gewisse Affinität zum Verschlissenen und Verbrauchten, dem Schleifen und Rattern, dem Knistern und Klicken – die digitale Welt ist dann für Momente in weite Ferne gerückt.

Text und Foto: Eva Reiter
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